Horst Köhlers Abgang: Offen und unbequem

Kurz nach seinem Amtsantritt 2004 kam ein Buch auf dem Markt, dass von Horst Köhler, unserem Ex-Bundespräsidenten, war: Offen will ich sein und notfalls unbequem.

Offen und unbequem war es auch am heutigen Montag, 31. Mai 2010. Der Montagvormittag war ein ruhiger, regnerischer Bürotag. Dann plötzlich die ersten Twitter-Nachrichten: „Köhler tritt zurück“. Und dann hatten alle Kanäle nur noch ein Thema: der sofortige Rücktritt unseres Bundespräsidenten!

Horst Köhlers Statement vor der Presse war kurz. Er sah irgendwie enttäuscht aus. Nicht wie ein Staatsmann. Verbitterung klang in seiner Stimme mit. So habe ich Horst Köhler noch nie im Fernsehn gesehen. Und die Erklärung für seinen Rücktritt ist irgendwie etwas dünnhäutig. Das war offen und unbquem für den Rest der politischen Republik. Damit hatte keiner gerechnet. Warum auch. War Horst Köhler doch erst im Mai 2009 – zwar knapp – aber dennoch wiedergewählt worden.

Die Gründe für den Rücktritt sind irgendwie nicht so ganz einleuchtend. Wegen Kritik an seinen Äußerungen, die dem Amt nicht angemessen sind? Wo ist dabei sein Buchtitel von ganz am Anfang geblieben? Er wollte Offen und unbequem sein. Dann muss man auch Kritik einstecken können. Irgendwie muss doch noch mehr dahinter stecken.

Irgendwann ist es 16:30 Uhr und die Kanzlerin Angela Merkel gibt ein Pressestatement ab: sie bedauert (wie alle) an diesem Tage den plötzlichen Rücktritt. Sie habe um 12 Uhr davon erfahren. 12 Uhr? Also nur 2 Stunden vor dem Pressestatement Köhlers? Schon merkwürdig. War Köhlers Aktion event. eine Kurzschlusshandlung? Oder lange geplant? Wir werden es wohl so schnell nicht erfahren! Spielt auch keine wirkliche Rolle, denn – nach dem kölschen Grundgesetz: was fott es, es fott!

Jetzt richtet sich der Blick der Medien schon wieder nach vorne: wer wird neuer Bundespräsident? Oder Bundespräsidentin? Das Grundgesetz sagt klipp und klar: 30 Tage nach dem Rücktritt muss die Bundesversammlung neu wählen. Das wäre der 30. Juni! Es wird also spannend zu sehen, wen die Bundesratsmehrheit (aktuell CDU und FDP 25 Stimmen Mehrheit, Quelle: election.de) auswählen wird. Das ist noch offen! Wir werden sehen!

Was hängen bleibt, ist sicher nicht die aller beste Art des Abgangs. Man kann auch anders abtreten. Ich finde, so macht man das nicht. So bleibt immer etwas negatives hängen. Schade. Dabei war Horst Köhler ein guter Bundespräsident. Er war volksnah. Das wird in Erinnerung bleiben. Danke Horst Köhler.

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